Lokalisierungskosten vor der Angebotsanfrage belastbar kalkulieren

Aktualisiert am:

Lokalisierungskosten

Wie viel Lokalisierung kostet, lässt sich erst beantworten, wenn feststeht, was geliefert werden soll.

Lokalisierungskosten vor der Angebotsanfrage belastbar kalkulieren

Eine Website, Software, App oder Marketingkampagne braucht möglicherweise nicht nur Übersetzung und Lektorat, sondern auch technische Umsetzung, Tests, Projektkoordination und laufende Pflege.

Bevor Angebote eingeholte werden, ist es ratsam, die zu erbringenden Leistungen festzulegen. Ebenso, wer sie prüft, auf welchem ​​Weg die lokalisierten Inhalte letztlich die Kunden erreichen und wer für deren laufende Pflege zuständig sein wird.

Was Lokalisierungskosten tatsächlich umfassen

Eine übliche Aufschlüsselung der Lokalisierungskosten umfasst Übersetzung, Lektorat, Korrektorat, Formatierung bzw. Layout, sprachliche und lokalisierungsspezifische Qualitätssicherung, Dateierstellung oder CMS-Einpflege, Projektmanagement sowie technologische Aspekte. Da ein Dienstleister mehrere dieser Aufgaben zu einem Gesamtprojektpreis zusammenfassen oder sie einzeln berechnen kann, muss aus dem Angebot hervorgehen, wo dessen Verantwortungsbereich beginnt und endet.

Zu klären ist daher welche Aufgaben enthalten sind und wo die Verantwortung Ihres eigenen Teams beginnt. Nach der Übergabe könnten beispielsweise Einpflege, Tests, Freigaben und spätere Aktualisierungen weiterhin bei Ihnen liegen. Möchten Sie das?

Das Abrechnungsmodell passend zur Leistung wählen

Wortpreise passen zu stabilen Textbeständen, die sich eindeutig zählen lassen. Bei UI-Texten, kreativer Anpassung, technischen Übergaben oder laufenden Änderungen sagt die Wortzahl dagegen wenig über den tatsächlichen Aufwand aus. Der BDÜ nennt für die kommerzielle Preisgestaltung 50 bis 55 Zeichen einschließlich Leerzeichen als mögliche Grundlage; die konkrete Zählweise muss im Angebot stehen.

Eine Normzeile ist eine kommerzielle Abrechnungseinheit und kein allgemeiner Lokalisierungspreis. Fragen Sie deshalb nach, ob der Zieltext oder der Ausgangstext gezählt wird, ob Mindestaufträge gelten und ob Prüfung, Korrekturen und Formatierung enthalten sind.

Stundenpreise, Tagessätze und Retainer eignen sich für Projektmanagement, technische Arbeiten, Tests oder kreative Anpassungen. Ein Pauschalpreis ist angebracht, wenn Lieferumfang, Korrekturschleifen und Abnahmekriterien vorher feststehen.

Inhalt, Sprachkombination und Lektorat kalkulieren

Bei der Kalkulation zählen nicht nur Textmenge und Sprachkombination, sondern auch Textsorte und Prüfbedarf. Fachterminologie, juristische und kreative Texte sowie strikte Vorgaben für die Benutzeroberfläche können eine zusätzliche Überprüfung durch jemanden erfordern, der mit dem jeweiligen Fachgebiet oder Markt vertraut ist.

Fragen Sie nach, welche Art von Lektorat bzw. Review Sie benötigen werden und wie viele Korrekturschleifen im Preis enthalten sind. Klären Sie außerdem, wie mit unfertigen, widersprüchlichen oder nachträglich geänderten Ausgangstexten umgegangen wird.

Technische Umsetzung, Tests und Updates einplanen

Bei Websites können CMS, URL-Struktur, hreflang, Suchterminologie, Tests und die Abstimmung mit dem Entwicklungsteam über eine reine Wortzahl hinausgehen. Bei Software kommen unter anderem String-Export, Dateiformate und Tests im Produkt hinzu. Abhängig von der Oberfläche müssen außerdem Zeichenlimits, Variablen und geschützte Codebestandteile berücksichtigt werden.

Auch Fristen und Änderungen nach der Veröffentlichung müssen in die Preisgestaltung einfließen. Eilzuschläge und Wartungsgebühren sind Faktoren, die die Lokalisierungskosten – wenig überraschend – in die Höhe treiben können. Klären Sie daher, wie hoch die Kosten für eine Eillieferung sind, ob sich ein Angebot ausschließlich auf die Markteinführung bezieht oder auch eine weiterführende Wartung umfasst, und wie der Anbieter künftige Aktualisierungen in Rechnung stellt.

Angebote auf vergleichbarer Grundlage prüfen

lokalisierung preise

Ich würde die angegebenen Sätze erst dann vergleichen, wenn tatsächlich jeder potenzielle Anbieter dieselbe Berechnungsgrundlage erhalten hat. Schicken Sie lieber allen dieselbe Projektbeschreibung, denselben Datenbestand und Abnahmerahmen und lassen Sie sich die enthaltenen und ausgeschlossenen Leistungen getrennt ausweisen.

Prüfen Sie Preiseinheit, Lektorats-Stufe, Korrekturschleifen, Mindestbeträge, Umsatzsteuerausweisung, technische Zuständigkeiten und Freigaben. Auch zusätzliche Sprachen, Quelländerungen, Eilfristen und Folgepflege brauchen eine klare Preislogik.

So erkennen Sie, ob ein niedriger Preis tatsächlich denselben Leistungsumfang abdeckt. Ein Angebot, das nur die Textbearbeitung enthält, ist mit einem Projektpreis inklusive CMS-Einpflege, Tests und Projektkoordination absolut nicht direkt vergleichbar.

Technologie gezielt einsetzen

Der Technologiestack sollte als Teil des Leistungsumfangs behandelt werden, nicht als pauschalen Rabatt. Im Angebot sollte stehen, welche Inhalte automatisiert bearbeitet und welche freigegebenen Übersetzungen wiederverwendet werden.

Außerdem ist zu klären, welche Überprüfung durch Menschen erfolgt und wer für Terminologie, Ton und Fehler verantwortlich ist. Produkttexte, rechtlich relevante Inhalte und sensible Markenkommunikation sollten nicht automatisch denselben Arbeitsablauf haben wie risikoärmere Inhalte.

Fordern Sie bei Bedarf zwei Varianten an: einen menschlich geführten Prozess und einen Ablauf mit stärkerer Automatisierung. So vergleichen Sie konkrete Arbeitsschritte und Zuständigkeiten statt eines unbelegten Sparversprechens.

Lokalisierungsaufwand selber einschätzen

Zusammenfassend könnte man so vorgehen: Erfassen Sie zunächst Ausgangsinhalte, Zielsprachen, Regionen, ggf. bekannte Mengen (z. B. Katalogpositionen) und die gewünschte Abrechnungseinheit. Tragen Sie danach Lektorat, Projektmanagement, technische Umsetzung, Tests und Freigaben als eigene Positionen ein.

Eine erstmalige Lokalisierung von Grund auf sollte von wiederkehrenden Updates und Wartung getrennt betrachtet werden. Diese Arbeiten können unterschiedliche Mengen, Zuständigkeiten und Abrechnungsmodelle haben.

Abschließend sind offene Punkte zu dokumentieren: Ist der Ausgangstext final? Wird ein Fachlektorat notwendig sein? Sind technische Zugänge vorhanden? Wer übernimmt die Abnahmetests? Lassen Sie die wichtigsten Varianten vom Anbieter separat kalkulieren und vergessen Sie nicht, den eigenen internen Zeitaufwand in Ihr Gesamtbudget aufzunehmen.

Avatar von Jenna Brinning

Verfasst von

Die Lokalisierungsexpertin, Autorin, Lektorin und Content-Strategin hat ihren M.A. an der Freien Universität Berlin erworben und verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Technologie und Sprache. Als zertifizierter PSPO und PSM unterstützt Jenna gerne Start-ups und kleine Unternehmen bei der internationalen Expansion.

Diesen Beitrag teilen

Mehr entdecken

Über uns

Modilingua unterstützt Start-ups und KMU dabei, mehr internationale Reichweite, Resonanz und Wachstum zu erzielen.