Übersetzungssoftware: Das richtige CAT-Tool finden

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Der Haftungsausschluss wirkt seltsam vertraut. Vielleicht nicht Wort für Wort, aber nah genug, um ein intensives Déjà-vu auszulösen. CAT-Tools sind genau für solche Momente gemacht. Wenn ein Segment bekannt vorkommt, hat die Software es mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits gespeichert.

Ein CAT-Tool (Computer-Assisted Translation) ist eine Software, die Übersetzern ein schnelleres und gleichmäßigeres Arbeiten ermöglicht. Der Unterschied zur maschinellen Übersetzung wie Google Translateist grundlegend: Während diese selbstständig Bedeutungen erschließt, dient ein CAT-Tool als Arbeitswerkzeug für den menschlichen Übersetzer. Es speichert abgeschlossene Übersetzungen und stellt sie automatisch bereit, wenn ein ähnliches Segment erneut auftaucht.

Dieser Beitrag bietet einen kurzen Überblick über die Funktionsweise dieser Tools, die derzeit führenden Optionen auf dem Markt sowie die wichtigsten Auswahlkriterien.

Was ist ein computergestütztes Übersetzungstool?

Das Grundprinzip computergestützter Übersetzung ist einfach: keine Arbeit soll zweimal geleistet werden. Zu diesem Zweck wird das Ausgangsdokument in Segmente, in der Regel Sätze oder Absätze, zerlegt. Jede fertige Übersetzung wird zusammen mit dem Originaltext in einer Datenbank, dem sogenannten Translation Memory (TM), gespeichert.

Taucht ein ähnliches Segment später auf – sei es im selben Projekt oder Monate danach –, schlägt das Tool die gespeicherte Lösung automatisch vor. Diese Treffer werden als Translation Matches bezeichnet.

Die meisten CAT-Softwarepakete bieten drei Kernfunktionen:

  1. Translation Memories: eine Datenbank, die abgeschlossene Übersetzungen abrufbar hält und künftige Projekte beschleunigt.
  2. Terminologieverwaltung: eine Glossarfunktion, die für eine einheitliche Übersetzung von Fachbegriffen, Markennamen und Produktbezeichnungen sorgt.
  3. Qualitätssicherung: automatische Prüfungen, die doppelte Leerzeichen, fehlende Zahlen oder inkonsistente Zeichensetzung aufspüren.

Die zentrale Verwaltung aller Inhalte sorgt für konsequente Übersetzungen über Dutzende von Dateiformaten hinweg, von Word-Dokumenten bis hin zu HTML-Dateien.

Warum CAT-Tools nutzen? Das Produktivitätsargument

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Unter Einsteigern stellt sich häufig die Frage, wozu spezielle Software nötig ist, wenn ein normales Textverarbeitungsprogramm oder ChatGPT Translate ausreicht. Die Antwort liegt in der Datenverwaltung. Ein modernes CAT-Tool verarbeitet nicht nur Text, sondern baut mit der Zeit einen wirklich sehr wertvollen Ressourcenpool auf.

Effizienz und Vereinheitlichung
Ein CAT-Tool stellt über längere Dokumente hinweg sicher, dass Begriffe durchgehend einheitlich übersetzt werden – auf Seite 50 genauso wie auf Seite eins. Das ist für akademische und professionelle Texte unverzichtbar. Hinzu kommen spürbare Produktivitätssteigerungen. Die oft zitierten 30 bis 50 Prozent mehr Output sind realistisch. Bereits übersetzte Segmente werden automatisch übernommen (100-%-Treffer). Bei ähnlichen Sätzen macht das Tool Vorschläge (sogenannte Fuzzy Matches), sodass die Aufmerksamkeit den tatsächlich neuen Inhalten gilt.

Strukturierte Übersetzungsabläufe
Mehrsprachige Projekte bringen oft komplexe Dateiformate mit sich. Ein gutes CAT-Tool schützt dabei den Code und die Formatierungs-Tags im Hintergrund, sodass sich Übersetzer vollständig auf den Inhalt konzentrieren können. Das Layout einer Website bleibt zum Beispiel unangetastet, da die Software die technischen Elemente eigenständig verwaltet.

Welches Tool am besten geeignet ist, hängt vor allem vom Budget sowie davon ab, ob eine Desktop-Lösung oder ein cloudbasiertes System bevorzugt wird. Im Folgenden werden vier der führenden CAT-Tools vorgestellt.

Die Branchenstandards: MemoQ und Trados

Diese beiden Tools dominieren seit Jahren die Branche und sind aus professionellen Übersetzerkreisen kaum wegzudenken.

  • MemoQ ist vor allem bei Freiberuflern verbreitet. Die Oberfläche ist benutzerfreundlich, die Terminologieverwaltung überzeugend und der Einstieg gelingt auch ohne intensive Einarbeitung.
  • Trados Studio hingegen richtet sich eher an erfahrene Anwender. Die Lernkurve ist steiler, doch der Funktionsumfang ist entsprechend größer. Da viele Agenturen und Unternehmenskunden explizit Trados voraussetzen, führt für einen Großteil der professionellen Übersetzer kein Weg an dieser Software vorbei.

Die Cloud-Alternativen: Phrase und Smartcat

Wer auf die Installation und Pflege lokaler Software verzichten möchte, findet mit Phrase und Smartcat zwei vollständig cloudbasierte Lösungen, die die Einrichtung und Teamarbeit erheblich vereinfachen.

  • Phrase, früher unter dem Namen Memsource bekannt, ist auf kollaborative Arbeitsabläufe ausgelegt. Als vollständiges Translation-Management-System ermöglicht es die zentrale Steuerung des gesamten Übersetzungsprozesses: Aufgaben können zugewiesen, Fortschritte verfolgt und Übersetzer standortunabhängig eingebunden werden. Für laufende Projekte mit mehreren Beteiligten ist das ein klarer Vorteil.
  • Smartcat verfolgt einen anderen Ansatz. Neben dem Übersetzungseditor bietet die Plattform einen integrierten Marktplatz, über den Freiberufler gesucht, beauftragt und direkt bezahlt werden können. Für Projektmanager, die kurzfristig externe Kapazitäten benötigen, entfällt damit ein erheblicher Teil des administrativen Aufwands.

Kostenlose CAT-Tools für Einsteiger

Für den Einstieg muss kein Budget eingeplant werden. Einige kostenlose Optionen sind deutlich leistungsfähiger, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

  • OmegaT ist eine bewährte Open-Source-Lösung. Das Tool läuft unter Windows, Mac und Linux, verwaltet Translation Memories zuverlässig und ist kostenlos. Die schlichte Oberfläche ist zwar gewöhnungsbedürftig, hat aber eine treue Nutzergemeinde aufgebaut, besonders unter technischen Übersetzern, die sich gerne mit Konfigurationen befassen.
  • MateCat ist ein webbasiertes Tool, das für Endnutzer kostenlos bleibt. Es ist für kleinere Projekte gut geeignet, greift auf öffentliche Translation Memories zurück und bietet einen unkomplizierten Einstieg in cloudbasiertes Übersetzen ohne Abonnement.

Die passende Übersetzungssoftware auswählen

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Es empfiehlt sich, einige grundlegende Fragen zum eigenen Workflow zu klären, bevor man sich für ein Tool entscheidet.

  • Dateikompatibilität: Werden die benötigten Formate, etwa InDesign, XML, .md oder JSON, unterstützt?
  • Internetverbindung: Wird ein Offline-Zugang benötigt oder kommt eine cloudbasierte Lösung infrage?
  • Maschinelle Übersetzung: Lässt sich das Tool in Engines wie DeepL oder Google integrieren, um Vorschläge zur Nachbearbeitung zu liefern?
  • Kosten: Steht ein Abonnement zur Debatte oder soll zunächst mit einer kostenlosen Testversion oder einem Open-Source-Tool gearbeitet werden?

Häufig gestellte Fragen

Ersetzen CAT-Tools menschliche Übersetzer?

Nein, denn CAT-Tools sind Hilfsmittel, kein Ersatz. Zwar verwalten sie eigenständig die Datenbank und den Workflow, doch Qualitätssicherung und sprachliche Feinarbeit bleiben beim Menschen.

Was ist der Unterschied zwischen einem TMS und einem CAT-Tool?

Ein CAT-Tool konzentriert sich auf den eigentlichen Übersetzungsvorgang. Ein TMS steuert dagegen das übergeordnete Projekt, d. h. die Aufgabenverteilung, Abrechnung und Fortschrittsverfolgung.

Funktioniert Übersetzungssoftware für alle Sprachen?

Ja. CAT-Tools unterstützen Unicode und somit nahezu alle Sprachpaare – vom Französischen über das Deutsche bis hin zum Japanischen.

Optimierung des Übersetzungsprozesses

Die Integration eines CAT-Tools in den Arbeitsalltag ist der wirkungsvollste Schritt, um Effizienz und Konsistenz im Übersetzungsprozess zu verbessern. Ob leistungsstarke Desktop-Software wie MemoQ, eine cloudbasierte Lösung wie Phrase oder der kostenlose Einstieg über OmegaT: Das Ziel ist in allen Fällen dasselbe, nämlich weniger Routinearbeit und mehr Fokus auf Qualität.

Am besten beschafft man sich zunächst eine Testversion und beginnt, das eigene TM aufzubauen. Bei Fragen zur Toolauswahl oder zur Lokalisierungsstrategie steht Modilingua gerne zur Verfügung!

Avatar von Jenna Brinning

Verfasst von

Die Lokalisierungsexpertin, Autorin, Lektorin und Content-Strategin hat ihren M.A. an der Freien Universität Berlin erworben und verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Technologie und Sprache. Als zertifizierter PSPO und PSM unterstützt Jenna gerne Start-ups und kleine Unternehmen bei der internationalen Expansion.

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